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Läuft.

 

Hallo neues Jahr - ich freue mich auf Dich!

Dein Vorgänger war streckenweise zum davonlaufen, aber meine Laufschuhe, die haben dank Corona wieder jede Menge Strecke gemacht, denn neben dem sportlichen Aspekt hilft mir persönlich eine kleine Laufrunde immer wieder dabei, frei zu werden.

Frei von Sorgen, Zweifeln oder Mutlosigkeit. 

 

Laufen und ich - viele Jahre eine On-Off-Beziehung, aber unterm Strich haben wir uns trotz manch längerer Auszeit immer wieder zusammen gerauft.

Haben die Grenzen neu verhandelt, die Motivation hinterfragt und den Druck abgelassen, immer wieder irgend wem (vor allem mir) irgendwas beweisen zu wollen.

Und so ist langsam aus weniger mehr geworden:

Weniger Optimierungszwang - mehr Spaß.

Weniger messen - mehr "einfach los laufen".

Weniger Wettkampf gegen mich selbst - mehr echtes Körpergefühl und "auf den Körper hören".

Weniger Tempo - mehr von den schönen Laufwegen mitkriegen.

 

Manchmal ist Laufen wie Pilgern, finde ich.

Davon träume ich manchmal. Nicht von dem ganz großen Ding, hunderte Kilometer in sengender Hitze durch die spanische Pampa nach Santiago de Compostela, never. Das bewundere ich zwar, sehne mich aber nicht danach.

Ich finde aber, Laufen bietet ähnliche Herausforderungen im Kleinen:

Egal bei welchem Wetter rein in die Laufklamotte, während der ersten Kilometer fragt man sich "why oh why???" und dann kommt irgendwann Gewöhnung, Routine, auch mal Langeweile.

Aber wenn man durchhält, erlebt man irgendwann auch ein unbeschreibliches Glücksgefühl.

Freiheit, der Körper prickelt vor Lebendigkeit, es ist vollkommen egal, dass es regnet oder der Wind einem ins Gesicht bläst.

Dann weiß man, warum man es doch immer wieder tut.

Ich merke: Ich schaffe es auch (bildlich gesprochen) durch die Wüsten, die Durststrecken, die dunklen Phasen des Lebens.

Ich kann, in klitzekleinen Schritten, auch die Berge bewältigen, die sich immer wieder vor mir auftürmen. Ich darf auch Umwege gehen oder ganz stehen bleiben. Darf Pause machen, aufgeben, alles hinschmeißen und sinnlos finden.

Denn - wenn ich eins über die Jahre gelernt habe: Irgendwann geht es wieder weiter. Immer.

Und - abgedroschen aber wahr: Der Weg ist das Ziel.

Er führt nicht ohne Umwege die Himmelsleiter rauf oder ins Nirvana.

Aber er lohnt sich, jeden Tag aufs neue - Höhenflüge und Jammertal inklusive.

 

Vielleicht läuft man manchmal vor sich selbst weg, oder man läuft voll gegen die Wand, wenn man sich zu viel abfordert. Ich musste es schon mehrmals auf die harte Tour lernen, und ich weiß: Es geht immer wieder von vorne los: Ich werde neu antreten müssen - gegen den inneren Schweinehund, der lieber warmen Kakao und die Kuscheldecke will, und gegen den Ehrgeiz, der mich regelmäßig anstachelt, doch noch zwei Kilometer dran zu hängen, obwohl die Knie schon weh tun. 

 

Also...mal schauen wie es so läuft, das neue Jahr.

 

 

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