Beulen und Dankbarkeit.

Viele Wege führen nach Rom.

Oder in die römisch-katholische Kirche.

Meiner war lang, steinig und ziemlich aufregend, und vielleicht ein bisschen untypisch.

Und obwohl ich nun seit gut zwei Jahren "drinnen" bin, ist der Weg mitnichten zu Ende.

Eine erste Zusammenfassung darüber habe ich kürzlich geschrieben, und nun habe ich dem Internet-Portal katholisch.de ein Interview dazu gegeben.

 

Dieses Interview wird natürlich auch in den sozialen Netzwerken veröffentlicht und geteilt, und was soll ich sagen: Ein Teil der katholischen Community is not amused. Total gar nicht amused. Das war mir klar, ich kenne die Kommentarspalten und bin vertraut mit dieser Art Wortmeldungen. Bisher allerdings war ich nie selbst davon betroffen. Und ich möchte an dieser Stelle einmal mehr den Hut ziehen vor allen, die sich tagtäglich mit ähnlichen und leider noch viel drastischeren Ansagen konfrontiert sehen.

Z.B. alle, die sich öffentlich für Maria 2.0 einsetzen und ihre Köpfe hinhalten.

Oder diejenigen, die aktiv und öffentlich am Synodalen Weg mitarbeiten, und auch dafür kübelweise Häme und Anfeindung kassieren.

Diejenigen, die sich öffentlich in der Kirche für die Anerkennung und Gleichstellung nicht-heterosexueller Partnerschaften einsetzen. Und viele viele mehr.

Mein tiefster Respekt und Dank dafür, dass sich so viele Menschen unermüdlich raus wagen und damit anderen Vorbild sind und Mut machen.

 

Was mich sehr traurig macht: Zu lesen und zu hören, dass es viele gibt, die auch gerne in reformorientierten Gruppen mitmachen würden, aber zu viel Angst davor haben, dass sie in ihren Gemeinden angefeindet und ausgegrenzt werden. Das muss noch viel schlimmer zu ertragen sein, als ein paar unfreundliche Kommentare bei Facebook.

Und ja, es ist immer leicht, zu fordern: Macht es trotzdem!

Aber ich kann nun noch besser verstehen, warum viele doch lieber still bleiben und/oder eines Tages gehen.

Es kostet was, und man kriegt garantiert Beulen an der Seele.

Daher dachte ich zunächst: Ich ignoriere einfach die negativen Kommentare.

Sie sind es nicht wert, nochmals verbreitet zu werden.

 

Und dann ist da ja auch noch die andere Seite:

Ich bekam wunderbare herzliche Nachrichten von Menschen, die sich in meinen Gedanken wiederfinden konnten.

Die Denkanstöße bekamen.

Die sich bedankt haben, dass ich öffentlich darüber gesprochen habe und über mein "anders glauben" erzählt habe. Die sich auch in ihrer Kirche, die sie lieben, auf gewisse Weise fremd fühlen und nach Wegen suchen, wie sie in Austausch darüber kommen können.

Diese Rückmeldungen haben natürlich für mich ein ganz anderes Gewicht.

Sie waren die paar Beulen wert, die vergehen wieder.

 

Und es ist bezeichnend, dass diese bestärkenden Nachrichten auf direktem Weg, persönlich eben, zu mir kamen und nicht offen den Haien zum Fraß vorgeworfen wurden.

Das zeigt mir:

Kirche, Du hast immer noch ein ganz zentrales Problem:

Es herrscht ein Klima von Angst und Unsicherheit.

Und paradoxer kann es doch kaum sein, wenn in einer Gemeinschaft, die sich Nächstenliebe UND FEINDESLIEBE (das wird ja so gerne unterschlagen) auf die Fahnen schreibt, genau diese sogenannten christlichen Kernkompetenzen auf so vielen Ebenen kaum bis gar nicht beherzigt werden.

 

Und genau daran zeigt sich ja auch, dass das Christentum keine Kuschelveranstaltung ist, sondern jede*n extrem herausfordert, sich mit sich und den Mitmenschen auseinanderzusetzen, gerade dann wenn es schwer wird.

Daher habe ich mich dazu entschieden, doch ein paar der Kommentare hier zu teilen.

Aber nicht nur die negativen, sondern auch einige der bestärkenden und freundlichen, über die ich mich sehr gefreut habe.

 

Mein persönliches Highlight:

"Sie ist jung. Muß noch viel lernen".

Zwar fühle ich mich mit 47 Jahren nicht mehr ganz so jung, aber viel lernen muss und will ich auf jeden Fall.

Danke.

 

 

 

Quelle: Facebook
Quelle: Facebook

Nachtrag:

Inzwischen hat katholisch.de begonnen, die Kommentare zu moderieren, und es wurden solche mit beleidigender Absicht auch gelöscht. Danke dafür.

 

Hinweis zu Kommentaren hier im Blog:

Ich freue mich über respektvollen Austausch.

Beiträge, die beleidigend, rassistisch oder auf persönlicher Ebene diffamierend sind, werden nicht freigeschaltet.


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Kommentare: 2
  • #1

    Roswitha Schmidt (Dienstag, 08 September 2020 11:11)

    Also..... Hm, das macht mich jetzt aber Stutzig solche Reaktionen die Kirchen können doch über jeden Zuwachs froh sein....gerade in den Zeiten wo es eher zu Austritten kommt... Naja wir werden sehen wie es mit den Kirchen weiter geht.

  • #2

    Meike Kröger (Dienstag, 08 September 2020 12:26)

    Liebe Frau Schmidt,
    glücklicherweise kann ich dazu sagen: Die "kritischen" Stimmen sind nur eine Seite der Medaille - zugegebener Maßen sind diese Stimmen aktuell ziemlich laut.
    Ich hätte allerdings diesen Schritt nie tun können, wenn ich nicht so viele bestärkende Erlebnisse und Begegnungen gehabt hätte und weiterhin habe.
    Das Gefühl, willkommen zu sein (inklusive aller meiner Skepsis, Zweifel und Kritik), hat immer überwogen.