Sternenzeit

Astronomische Uhr im Dom zu Lübeck, Detail
Astronomische Uhr im Dom zu Lübeck, Detail

 

Eine alte Liebe von mir: Die Sterne.

Schon in meiner Lehrzeit begleitete mich an dunklen Winterabenden Orion auf meinem Weg nach Hause.

Egal wie unzulänglich oder schwer von Begriff ich mir als Auszubildende oder später Studentin vorkam:

"Er" war immer da, hing da als leuchtende Konstante am Himmel und ich fand das tröstlich.

"Ihm" war es vollkommen gleichgültig, ob ich in Mathe eine Niete war oder eine fabelhafte Goldschmiedin.

Mir war immer klar: Die Sterne sind einfach da. Sie mischen sich nicht auf magische Weise in unser Leben ein, wie es die Astrologie auch heute noch annimmt. 

Ihre Bedeutung für uns ist trotzdem existenziell, denn ohne sie gäbe es uns gar nicht.

Ihr Werden und Vergehen im All ist die Grundlage unserer Heimatgalaxie, unserer Nachbarplaneten und von jedem Krümel Leben auf unserer Erde.

Als ich vor etlichen Jahren diese Zusammenhänge begriff, wurde mein Blick in den Sternenhimmel noch ehrfürchtiger. Der Satz "wir sind alle Sternenstaub" ist genauso kitschig wie wahr. 

Das Gold z.B., mit dem ich in meiner Schmuckwerkstatt arbeite (oder das in Deinem Handy steckt), ist ein sehr seltenes Produkt gewaltiger Sterbeprozesse gigantischer Sternenriesen. Es ist in der Zeit der Erd-Entstehung mit anderen Elementen in den Erdmantel eingesunken und über Jahrmilliarden durch Vulkanismus und die Bewegung der Erdplatten in Bereiche der Erdoberfläche gewandert, die uns Menschen durch Tagebau und Minen zugänglich sind.

Und - typisch Mensch - von Anfang an wurde darum gekämpft und ohne Rücksicht gegraben und gesprengt.

Werden wir es je lernen?

...

Die Sterne, sie begleiten mich immer noch.

Ich liebe Planetarien und astronomische Abteilungen in Naturkundemuseen. Als ich kürzlich in Lübeck unterwegs war, besuchte ich den Dom.

Dort findet man eine astronomische Uhr - Nachbau der ursprünglichen Uhr, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Auch im Dom zu Münster und etlichen anderen Kirchen findet man solche Uhren.

Sie sind oft gewaltig groß und mit vielen religiösen Bildthemen ausgestaltet, z.B. den vier Evangelisten, die den vier Himmelsrichtungen zugeordnet wurden. Dabei sind sie beeindruckend genau und man erkennt, wie zentral und existenziell das Messen der Zeit und die Berechnung der Sternenbahnen schon früher war.

Mich fasziniert daran, dass in der Bildersprache dieser mechanischen und wissenschaftlichen Meisterwerke noch das von Glaube und Kirche geprägte Weltbild sichtbar ist, dass uns heute so fremd geworden ist. 

Und wenn man noch viel weiter zurück geht in der Geschichte der Menschheit, wenn man sich zu den ägyptischen oder mesopotamischen Sternkundlern begibt, die schon auf Tage genau berechnen konnten, wann die Sterne (und damit die Wetterverhältnisse) günstig für Aussaat und Ernte waren, kann man nur noch mehr staunen.

Mir geht es jedenfalls so.

All unsere Zeit, die wir messen können, ist immer noch Sternenzeit.

Und auch heute noch navigieren wir mit Hilfe der Sterne, auch wenn wir das gar nicht mehr merken, weil wir keinen Sextanten mit uns herum tragen müssen, sondern nur noch den Standort-Button in unserem Smartphone aktivieren müssen, um uns nicht in der Welt zu verlaufen.

 

Auch in meiner Kunst finden die Sterne ihren Platz, z.B. in diesem kleinen Objekt aus Messing und Treibholz:

Das "Siebengestirn" ist eine Hommage an die frühen mutigen Seefahrer, die sich über ihren Horizont hinaus gewagt haben.

 

"Siebengestirn" Objekt Messing, Treibholz, Lacke.  Höhe ca. 7 cm. Meike Kröger 2019
"Siebengestirn" Objekt Messing, Treibholz, Lacke. Höhe ca. 7 cm. Meike Kröger 2019

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